Veranstaltung_2017

AMF-Arbeitskreis „Altenburger Land“

 

 Veranstaltung 2017 - 4

Die abschließende, 4. offene Veranstaltung des Vortragsjahres 2017 präsentierten die Familienforscher des AMF-Arbeitskreises "Altenburger Land", am Mittwoch, dem 25. Oktober 2017, 19:00 Uhr, im “Bach-Saal“ des Residenzschlosses zu Altenburg, und 66 Interessenten erlebten einen informativen Vortrag.
In einer gedenkwürdigen Zeit, sechs Tage vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation, im Lutherjahr 2017, konnten wir mit Frau Renate Schönfuß-Krause aus Radeberg eine Referentin gewinnen, welche mit ihrem Thema „Kreuzessucht  ward  Kreuzesfluch(t)“  zur größten, religiös motivierten, sächsisch-thüringischen Auswanderungsbewegung nach Missouri/USA im Jahre 1838, sprach. Erinnert wurde an geschichtliche Hintergründe, Voraussetzungen, Begleitumstände, Verlauf und Ergebnisse, die dazu führten, dass letztendlich durch diese Auswandererbewegung der Lutherische Glauben nach Nordamerika „exportiert“ wurde und sich erfolgreich ausbreitete. In diesem, aufwändig gestalteten, audiovisuellen Vortrag übernahm Herr Klaus Schönfuß die technische Gestaltung und Umsetzung des Vortrages, des als Team arbeitenden Ehepaares, das auch viele andere Arbeiten auf seiner interessanten Homepage  www.teamwork-schoenfuss.de  bereitstellt.
Die Referentin präsentierte hervorragend recherchierte Fakten und historische Dokumente aus Archiven, Zeitungen, Briefwechsel, persönlichen Erinnerungsschriften und Kontakten. Zunächst erläuterte sie die Ursachen für das Entstehen der Bewegung, die politische Lage zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die liberale Anpassung der Kirche an den Staat und die daraus entstehende „Erweckungsbewegung“ mit ihrer Rückkehr zu altlutherischen Glaubensbekenntnissen. Die Verdeutlichung der Führungs- und Verführungsrolle des Pfarrers Stephan bis zu seiner Erhöhung als erster Bischof auf einem Segelschiff vor New Orleans, sein Kampf um Einfluß und Macht, seine Absetzung und sein weiteres Schicksal, aber auch der Versuch einer Rehabilitierung, ergänzten den ersten Vortragsteil. Ebenfalls wurde das Risiko solcher Auswanderungsbewegung in einem zeitlichen und inhaltlichen Abriss in detaillierter Deutlichkeit vermittelt. An Hand von Beispielen wurde aufgezeigt, wie einmalig diese Auswanderungsbewegung durchorganisiert war, von der Gründung einer Gesellschaft, Planung der verschiedenen Reiserouten für ganz Sachsen und Thüringen, der Überfahrt mit 5 Segelschiffen, einer Reiseordnung bis hin zur Absicherung aller Teilnehmer, auch der unbemittelten, durch Bildung einer Gemeinschaftskasse und von Geldfonds. Filmische Einspielungen aus den Siedlungsgebieten in Missouri/ USA, um Altenburg/MO und dem heutigen Museum in Frohna/MO, sowie Schicksalsbeispiele einfacher Menschen aus dem Altenburger Land und dem Muldental rundeten den Vortrag ab. Ebenfalls wurde auf die sich gleichzeitig ereignende Tragödie in diesem Gebiet des mittleren Westens hingewiesen, die während der Einwanderung der Sachsen stattfand – die unmenschliche Vertreibung der Ureinwohner aus ihren fruchtbaren Gebieten in Reservate. Parallel dazu wandelt sich die Hoffnung der lutherischen Einwanderer ebenfalls in unsagbares Elend und Enttäuschungen. Unter großen Entbehrungen, Kälte, Krankheiten, Hunger und Todesfällen, den Untergang stets vor Augen, gelang es ihnen mit dem Mut der Verzweifelten, in Perry County/ Missouri/ USA die ersten Besiedlungen mit den Orten Altenburg, Dresden, Frohna, Seelitz, Wittenberg vorzunehmen. Geistiger und geistlicher Führer der Gemeinde wurde, nach der Absetzung Bischof Stephans, der Pastor Carl Ferdinand Wilhelm Walther (1811 Langenchursdorf - 1887 St. Louis/MO), später Professor und Präsident der Missouri-Synode. Er vermittelte der Gemeinde den Mut und den Glauben an eine Zukunft in den USA. Der Aufbau erster Blockhäuser und einer Schule begann, welche gezielt zum College „Concordia“ ausgebaut wurde. Daraus entwickelte sich das berühmte „Concordia Log Cabin College“, das 1849 nach St. Louis verlegt wurde. Diese Hochschule für Lehrer, Pfarrer und Missionare wurde zur Erfolgsgeschichte und zum Ausgangspunkt für die Ausbreitung der „Lutherischen Kirche Missouri“. Deren Aufgabe war die Seelsorge und Bildung der von deutschen Siedlern geprägten Bundesstaaten Missouri, Indiana, Ohio, Illinois und Arkansas und die weitere Missionierung des mittleren Westens der USA. Gleichzeitig entstand ein Netzwerk für neu ankommende Aussiedler, welches in diesen dünnbesiedelten Gebieten zur Entwicklung der Bevölkerung, der Wirtschafts- und Finanzkraft beitrug. Damit wurde die Auswanderung von 665 deutschen Altlutheranern 1838 und die Entwicklung zur heute zweitgrößten lutherischen Kirche „Lutheran Church – Missouri Synod“ in den USA mit 2,3 Millionen Mitgliedern doch noch ein besonderer Erfolg und ein Beispiel für die Ausbreitung des Lutherischen Glaubens und der Förderung der Bildung.
Die durch die Recherchen in den USA entstandenen Kontakte, in Vorbereitung des Vortrages in Altenburg/Sa. und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften im Jahr 2017, führten in Missouri/USA zur besonderen Beachtung bei den heute noch in St. Louis/MO und in Altenburg/MO lebenden Auswanderer-Nachkommen. Das Referentenpaar wurde 2018 zu einer Darbietung ihres Vortrages nach Altenburg/MO/Perry County eingeladen. Wir sind an einem Bericht interessiert.  In der Ausgabe 2018, des traditionellen, seit 1644 veröffentlichten „Altenburger Geschichts- und Hauskalender“, mit vielen weiteren geschichtlichen und denkwürdigen Beiträgen, wird der ausführlichere Artikel, zum Vortrag (Teil 1), zu finden sein. Wer ein spezielles Geschenk, zu Weihnachten oder Geburtstag sucht, oder einfach die vielen Informationen des Vortrages nachlesen möchte, kann diesen ab Dezember 2017 erwerben. Der 2. Teil folgt in der Ausgabe 2019.
Mein Dank gilt allen Referenten und unseren Partnern bei der Gestaltung der Gemeinschaftsveranstaltungen des Verantaltungsjahres 2017, den Verantwortlichen des Residenzschlosses zu Altenburg und der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg (GAGO). Ich hoffe auf eine weitere, erfolgreiche Zusammenarbeit für unser Altenburger Land. Für 2018 haben wir wieder 4 offene Veranstaltungen geplant. Mit Buchpräsentation, Vorstellung von Forschungsergebnissen, Ahnenbörse und Fachinformationen zur Forschungspraxis und Internet wollen wir zur Interessensbildung für die Heimat- und Familienforschung anregen. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und für 2018 beste Gesundheit und Erfolg bei der persönlichen Forschung.
Altenburg, im November 2017,  Steffen Klingner

 


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Veranstaltung 2017 - 3

 

Der AMF-Arbeitskreis "Altenburger Land" hat die offene Veranstaltung 2017-3, in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Göpfersdorf, am Samstag, den 02. September 2017, 10:30 Uhr, im “Kulturgut Quellenhof“ Garbisdorf, durchgeführt. Die positiven Erfahrungen der Ahnenbörsen in den letzten Jahren zeigte sich in steigenden Teilnehmerzahlen. Nach 24 in 2015, 39 in 2016 fanden diesmal 51 interessierte Teilnehmer den Weg in das östlichste Gebiet des Altenburger Landes, das Wieratal. Ein Grund dürfte die Verlagerung der Veranstaltung von November in den temperatur- und outdoor-freundlicheren September, sowie die Eröffnung neuer Möglichkeiten der Gestaltung, unter Einbeziehung des Außenbereiches, gewesen sein. Die Wahl von Wochentag und Zeitpunkt richtete sich speziell an interessierte Forscherinnen und Forscher mit beruflichen oder privaten Herausforderungen, welche bisher keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gefunden hatten. Das umfangreiche Programm war gefüllt mit der Vorstellung des AMF-Vereins und des Arbeitskreises mit Zugangs- und Bezugsmöglichkeiten von Informationen per Homepage unter: www.amf-verein.de und www.amf-ak-altenburger-land.de , AMF-Schriftenreihe , MOFB, Literatur der Stiftung Stoye und CD-Ecke, sowie Lösungen zur Datenaufarbeitungen. Das druckfrische Mitteldeutsche Ortsfamilienbuch (MOFB) „Oberlödla mit Unterlödla und Rödigen 1570-1875“, von Lore-Christine Jaschke, erlebte seine Erstvorstellung und kann ab sofort beim AMF-Buchversand bestellt werden. Die Vorstellung der Forscher des AK und deren Forschungsgebiete mit Namen oder Themenschwerpunkten bildete die Basis für die Ahnenbörse, dem hauptsächlichen Teil der Veranstaltung. Dazu wurden Forschungsergebnisse präsentiert, Informationen getauscht und Kontakte gesucht und gepflegt. Die angeregten Gespräche belegten, daß das Konzept angenommen wurde. Das Rahmenprogramm bildete sinnvollerweise ein Vortrag von Herrn Stephan Petzold aus Altenburg/ Garbisdorf mit dem Thema „Höfe und Familien im Wieratal“. Der Referent, zugleich Ortschronist von Garbisdorf, Mitglied des Heimatvereins Garbisdorf und Mitglied unseres Arbeitskreises, sprach zur Chronik des Ortes und des Quellenhofes. Um 1150 besiedelten Bauern aus Hessen und Franken den ländlichen Raum auch im Altenburger Umland. Erste Urkunden um1275 belegen die Ortsnennung. Mit seiner leichten Höhenlage auf einer Geländekuppe dürfte der Quellenhof zu den 5 Ur-Höfen in Garbisdorf zählen. Die zugehörige doppelte Ackerfläche spricht dafür, daß der damalige Siedleranführer hier seßhaft wurde. Um 1515 sind erste Besitzernennungen in den Gerichtsakten von Wolperndorf bekannt. In einem Kaufvertrag wird Martin Helbig genannt. Als Maria Helbig, einzige Tochter des Hof-Besitzers Johannes (Hans) Helbig, 1840 Christoph Winkler heiratete, war der Besitzer-Namenswechsel nach über 300 Jahren perfekt. Bis Ende des 20. Jahrhunderts nutzt die Familie den Hof selbst. Durch Alltagstauglichkeit der Fotografie konnten die letzten Pächter Armin und Flora Sebastian aus Prößdorf mit ihrem Sohn Heinz und der Zustand des Hofes zwischen 1930 und 1950 eindrucksvoll, mit vielen Fotos, gezeigt werden. Durch unerwarteten Zugang zum Nachlaß des Altvaters der Familienforschung im Wieratal, Albin Vogel, mit Stammbaumentwürfen und dessen privatem Familienalbum, präsentierte der Referent erstmalig beschriftete Portraits. Damit erhielten die Forscher eine optische Ergänzung der Personendaten, aber auch einen Einblick in die Mode der Zeit. Die abschließende Hof-Führung durch Bohlenstube, Außenbereich und fast fertiger Scheune überzeugte von den Fortschritten der Sanierung, dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung.Für die nette Betreuung durch den Heimatverein und das Getränke- und liebevolle Imbissangebot sei hiermit herzlich gedankt.     

Altenburg, 02.09.2017, Steffen Klingner


 

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Veranstaltung  2017 - 2

Am letzten Mittwoch im Mai, den 31.05.2017, haben die Altenburger Familienforscher im „Bach-Saal“ des Residenzschloßes zu Altenburg die öffentliche Vortragsveranstaltung 2017-2 präsentiert. Das Thema „Die böhmische Exulanten-Kartei“ war von überregionaler Bedeutung, so daß trotz herrlichen Wetters 45 Personen eine Teilnahme realisierten und Gäste aus weiterer Entfernung den Weg nach Altenburg fanden.  -   Historischer Hintergrund: Mit der Ermordung des letzten Böhmen-Königs der Premysl-Dynastie, Wenzel III., im Jahre 1307, betrachteten viele Böhmen die nachfolgenden Herrscher als Fremdherrscher und die Kirche als Machtinstrument dieser Herrschaft. Die Vermischung von Befreiungskampf und Kirchenerneuerung erreichte in der Folgezeit mit der Verbrennung von Jan Hus 1415 und den Hussitenkriegen einen traurigen Höhepunkt. Die Reformation 1517, als willkommenes Ereignis, führte bei vielen Böhmen zur Übernahme des neuen Glaubens und Böhmen zum Hochgebiet der Reformation. Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde festgelegt, daß dem Landesfürsten das Recht zustand, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Viele Fürsten gestatteten, gegen Zahlung einer Abzugsgebühr, das Abzugsrecht, also die Auswanderung. In Böhmen kam es nach der Machtübernahme des katholischen Ferdinand I. von Habsburg 1526 zu verstärkten Glaubens- und Machtspannungen. Diese eskalierten unter seine Nachfolgern, den Kaisern des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ zum 30jährigen Krieg, zu Zwangskatholisierungen und bis 1781 zu mehreren Auswanderungswellen. Über 100 000 Protestanten flohen oder wanderten, verstärkt in Folge des 30jährigen Krieges, zunächst in das entvölkerte Franken und Schwaben und bis ca. 1670 aus den Gebieten um Friedland, Starkenbach, Harrach und Hohenelbe größtenteils nach Sachsen und Brandenburg aus. -   Der aus Ebersbach/ Oberlausitz stammende, Dresdner Oberlehrer, Alwin Bergmann (1862-1938), sammelte in fast 40jähriger Kleinarbeit, aus allen ihm zugänglichen Quellen, Informationen in 60 handgeschriebenen Foliobänden mit mehr als 50 000 Personeneinträgen und nachvollziehbaren Quellenangaben. Diese „Bergmannsche Exulantensammlung“ wurde ab 2001 im Rahmen einer Kooperation des Sächsischen Hauptstaatsarchives und der Uni München, digital in einer Datenbank erfaßt und ist heute im Internet nutzbar.  -   Der Referent, Herr Wolfgang Becher aus Altenburg, langjähriges Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung e.V.“ (AMF) und Leiter des AMF-Archives, entdeckte 2008 in dieser Funktion, 45 Karteikästen mit etwa 35 000 Karteikarten. Eine Recherche ergab, daß es sich um den, von Liselotte Heidrich (1919-2008), unserem AMF-Archiv übereigneten Nachlaß handelte. Sie hatte aufgearbeitete Rechercheinformationen um etwa 30 % eigene Forschungsergebnisse ergänzt und in Schreibmaschinenschrift auf Karteikarten abgelegt. Um die Sammlung zu erhalten, ist eine Ausleihe und genealogische Nutzung bisher nicht möglich. Deshalb begannen Herr Becher und seine Helfer ab 2008 die systematische digitale Erfassung als Scan und die Erstellung einer Suchdatei in Form von Excel-Tabellen. In seinem Vortrag hat er uns dieses Werk erstmals vorgestellt. Nach vielen Jahren akribischer Arbeit steht seine Arbeit kurz vor der Vollendung. Zur schnelleren Fertigstellung freut sich der Referent über Helfer zur Lesung der Korrektur. Über die konkrete Nutzung und Veröffentlichung entscheidet der AMF-Vorstand in Abstimmung mit den Projektbearbeitern. Ich freue mich, daß damit wieder eine wertvolle genealogische Basisinformation als Sekundärquelle und Ergänzung bestehender Datenbanken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.   -   Steffen Klingner, 31.05.2017

 

 

 

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Veranstaltung  2017 - 1

 

Wir Familienforscher des AMF-Arbeitskreises (AK) „Altenburger Land“ hatten nach 2003 die Ehre, die dreitägige Jahreshauptversammlung unseres Vereines „Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Familienforschung e.V. (AMF)“ zu gestalten und Familienforscher aus ganz Deutschland nach Altenburg einzuladen. Der erste Tag, Freitag, 24.03.2017, stand im Zeichen unseres Arbeitskreises. Die Hausherrin, Frau Dr. Arfeller, Vorsitzende des Kulturbundes Altenburg e.V., hieß die Gäste willkommen und erläuterte Geschichte und Bedeutung ihres Vereinshauses. Mit meiner traditionellen Moderation durfte ich zur 18. offenen Veranstaltung des Arbeitskreises in meiner Amtszeit, der Jubiläumsveranstaltung „20 Jahre AMF-Arbeitskreis Altenburger Land“ mit Eröffnung der Ausstellung „20 Jahre Familienforschung im Altenburger Land“ über 100 Gäste aus Politik, Verwaltung, Kultur und Vereinen, sowie Privatpersonen, in der Kulturbund-Galerie, Brühl 2, 04600 Altenburg, begrüßen. Das Tagungsgebäude, eines der ältesten erhaltenen, originalgetreu rekonstruierten Bürgerhäuser von 1492 / 1690, im Altstadtbereich, direkt am ersten Altenburger Markt (heute „Brühl“), an der alten Reichsstraße „Via Imperii“ gelegen, schien uns die ideale Räumlichkeit, um Fest, Vorträge, Ausstellung und Mitgliederversammlung organisatorisch zu verbinden. Schon kurz nach Öffnung des Einlasses zeigte sich, daß der Ansturm der interessierten Gäste viel größer war, als prognostiziert. Trotz eilig herbei geschaffter zusätzlicher Bestuhlung konnten nicht alle mit einem Sitzplatz versorgt werden.-  In den Grußworten der Landrätin des Landkreises Altenburger Land, Frau Sojka, überbracht von ihrem Stellvertreter, Herrn Helbig, der Bürgermeisterin der Stadt Altenburg, Frau Moos und des amtierenden AMF-Vorsitzenden Herrn Jordan aus Hildesheim, konnten wir uns über Glückwünsche und Anerkennung freuen. Als Ehrengäste wurden 3 der 6 AK-Gründungsmitglieder, die Herren Karlheinz Weidenbruch, Andreas Günter und Lares Kirmse begrüßt. Die für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung gewonnenen jungen Künstler der traditions- und erfolgreichen Musikschule Altenburg erfreuten mit Ihrem Können und machten ihre Anwesenheit für beide Seiten zu einem Erlebnis.Ein solches Jubiläum ist nicht alltäglich und fordert neben der Bilanz auch visionäre Ideen. Fast zwangsläufig bot sich als Leitfaden der Veranstaltung die Entwicklung der Familienforschung im Zentrum des Mitteldeutschen Forschungsgebietes, unseres Altenburger Landes, an. - Bereits um 1900 beschäftigten sich Altenburger Bauern und Bürger mit der Frage: Wo komme ich her? Heute erweitern wir die Fragestellung um: Welche positiven und negativen Einflüsse, welche Stärken und Schwächen können mir weiter helfen? Was haben meine Ahnen geleistet, wie gelebt und welche Rückwirkungen haben diese Lebensumstände auf den Einzelnen, ihre Familien und den Forscher? Kurz: Warum bin ich, wie ich bin? - Nach dem ersten Weltkrieg erlebte die Familienforschung eine zweite Blüte. Das Bedürfnis zum Austausch mit Trägern gleichen Namens führte zum Zusammenschluß in Familienverbänden. 1928 gründete der Oberlehrer Paul Leidner die „Arbeitsgemeinschaft Altenburger Familienverbände und Freunde der Familienforschung“. Ihre schöpferische Arbeit fand ein Ende, als die sowjetische Militärverwaltung die Auflösung dieser Arbeitsgemeinschaft anordnete. Im Bewußtsein dieser Tradition ehren wir diese Forscher und setzen deren Arbeit heute in neuer Rechtsform fort. - Im 1. Vortrag sprach Herr Prof. Dr. Egbert Seidel, aus Weimar, zum Thema „Familienforschung in der DDR“ über seine ganz privaten Erlebnisse ab 1970. Durch mütterliche Wurzeln mit dem Altenburger Land verbunden, führten ihn seine ersten Forscher-Schritte ins Pfarramt Treben. Sein Bericht, über fast paradisische Verhältnisse bei der Sichtung der Kirchenbücher bis zur Ausleihe nach Hause, ließ so manchen Forscher in Erinnerungen schwelgen. Auch der Einfluß von DDR-Staatsicherheit in Ost und West wurde deutlich angesprochen und die, in seiner Stasi-Akte gefundenen, ca. 150 Briefkopien bewiesen seinen aktiven Forscheraustausch. Der, mit vielen Bildern und Dokumenten, belegte Vortrag, bereitete beim Zuhören einfach Freude und wurde dankbar und mit viel Beifall belohnt. - Nach der Wende ergaben sich auch in den neuen Bundesländern bessere Bedingungen für die Familienforschung. Die 1962 in Wetzlar gegründete AMF, mit dem Ziel „ … der genealogischen Erforschung von Familien und Geschlechtern, die aus dem mitteldeutschen Raum stammen“, wurde in Person von Dr. Kretzschmar aus Leipzig in unserem Forschungsgebiet aktiv. Zusätzlich konnten sie zur Gründung des AK zum 01.01.1997, neben den begrüßten Ehrengästen die Gründungsmitglieder, Frau Arnhild Kump (Wien/ Tegkwitz), Frau Gabriele Prechtl (Windischleuba) und Herr Gotthard Porzig (Braunschweig/ Kotteritz) gewinnen. - Im 2. Vortrag sprach Herr Karlheinz Weidenbuch aus Leipzig, Gründungsmitglied und Leiter des AK von 1997 bis 2012 zu den Aktivitäten während seiner Amtszeit. Ausgehend von der untrennbaren Einheit von Heimat- und Familienforschung, legte er von Anfang an den Schwerpunkt auf breite Teilnehmerkreise unter der Voraussetzung eines vorbehaltlosen Forschungsaustausches. In über 60 Vorträgen in 16 Jahren konnte ein breites Publikum angesprochen werden. Die Schaffung von Grundlagenliteratur und Quellensicherung wurde erstmals erreicht und fand überregional Beachtung. Abschließend empfahl er die Aufarbeitung von Nachlässen, sowie die Kontakte zu jungen Forschern nie aufzugeben und diese nach Erreichung freier Hobbykapazitäten als Neukader zu integrieren. Dieses wurde mit Beifall angenommen. - Ab 2013 konnte ich die Leitung eines geordneten AK weiterführen. Die grundsätzlich erfolgreiche Arbeitsweise wurde nach Aktivierung der Kontakte und Aktualisierung der Abläufe beibehalten. Eine verstärkte Hinwendung zur Öffentlichkeitsarbeit, in Presse, sozialen und digitalen Medien, Mailinglisten, eine eigene aktualisierte AK-Homepage, das Eingehen auf veränderte berufliche Bedingungen und Freizeitverhalten, sowie die Auflage des visionären Projektes “Erweitertes Kirchenbuchregister“, sind die Grundlage für eine positive Entwicklung des AK. Die Stärkung des Vereinslebens und die Einbeziehung der Partner bei Ausflügen, gemeinsamem Grillfest und Weihnachtsfeier, soll als weiterer Schwerpunkt ausgebaut werden. In der bisherigen Arbeit können wir auf neue Literatur wie: Die Datei Nehrlich und Altenburger Musterungslisten (Köhler), Mitteldeutsches Ortsfamilienbuch Kriebitzsch (Jaschke), Chronik Pähnitz (Theil), Die Bauern von Breesen (Meutzner), Altenburger Stammtafeln Teil 2 (AK) und Altenburger Bezirkslisten (AK) hinweisen. Jedoch ist ohne die Menschen, die dieses Hobby wollen und aktiv mitarbeiten, längerfristig der AK gefährdet. Also – einfach zu unseren Veranstaltungen oder per E-Mail den Kontakt suchen und mitmachen. - Die Eröffnung der Ausstellung „20 Jahre Familienforschung im Altenburger Land“ leitete einen weiteren Höhepunkt des Abends ein. In fast einjähriger akribischer Vorbereitungszeit wurden die mühsam zusammengetragen Stammbäume und Ahnentafeln inhaltlich und optisch aktualisiert, vielfältig und vielförmig überarbeitet und gestaltet. Ergänzt um Dokumente, in Original und Kopie, zur Familienforschung wie Bescheinigungen des Standesamts, Familienbuch, Ahnenpass oder Adressbücher, Altenburger Bürger- und Häuserbuch, und erstmalig ausgestellte Ergebnisse jahrelanger Forschung und literarische Veröffentlichungen wie: Familienchroniken, Aufarbeitungen von Nachlässen, wie die Kartei Nehrlich, Adelsforschung, Firmenforschung zur noch heute erfolgreichen Konditorei Volkstädt, zur früheren Gärtnerei Kunze, zur Entwicklung der Firma Hiller aus Ehrenberg, vom Karosseriebau zum Bushersteller Neoplan, rundeten das Bild positiv ab und zeigten die Erfolge des AK. Der Ausklang des Abends, mit Verkostung Altenburger Spezialitäten, bei einem Glas Sekt oder Wein, wurde genutzt, um Kontakte zu schließen oder aufzufrischen, sowie Gespräche, nicht nur zur Familienforschung, zu führen. So mancher Teilnehmer besuchte im Anschluß die „Altenburger Frühlingsnacht“, eine Händlerinitiative in der Altstadt Altenburgs. - Wegen des großen Erfolges unserer zweiwöchigen Ausstellung entschlossen wir uns kurzfristig, am letzten Tag, Freitag, den 07.04.2017, eine zusätzliche Abschlußveranstaltung zu organisieren. Vor 47 Besuchern stellte Frau Karina Falk, Archivarin und Mitarbeiterin der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, AMF-Vorstandsmitglied und ehrenamtliche AMF-Archivleiterin in Leipzig, das vereinseigene AMF-Archiv vor und beantwortete Fragen zur Archivierung. Nach Angaben der Kulturbund-Mitarbeiter besuchten, unter vergleichbaren Bedingungen, die Ausstellung so viele Gäste, wie bei keiner anderen Ausstellung zuvor. Wir freuen uns, mit diesem kleinen Einblick in unsere Hobby-Arbeit, den Nerv der Zeit getroffen, allen Interessierten ein Stück Heimatverbundenheit gezeigt und die Option auf ein anspruchsvolles Hobby eröffnet zu haben. Mit diesen allseits gelobten Veranstaltungen und der Ausstellung hoffen wir, mit der Historie auch Werbung für die Zukunft unserer Stadt und der Region, vor allen den auswärtigen Gästen, auf den Heimweg mitgeben zu haben. - Allen, die zum Gelingen der Jubiläums- und Zusatzveranstaltung, sowie der Ausstellung beigetragen haben, sei hier ein herzlicher Dank ausgesprochen. Besonderer Dank gebührt den Archiven in Altenburg, welche mit zuvorkommender und hilfreicher Weise die Grundlage unseres Wissens und Hobby stellen, insbesondere Frau Schilling für die Archivführung, der lokalen Presse, die seit geraumer Zeit durch Veröffentlichungen von Ankündigungen und Niederschriften aufmerksam über unsere Aktivitäten berichtet und damit den Kontakt zu den Teilnehmern und Interessenten erweitert, Frau Dr. Arfeller und Ihrer einsatzbereiten und kompetenten Frauschaft, den fleißigen Helfern vor Ort, Volker Neumann und Rolf Förster, sowie dem Projektleiter der Ausstellung, unserem 85jährigen Senior, Heinz Trebus, welcher wegen seiner Verdienste um die Familienforschung in der anschließenden Mitgliederversammlung der AMF zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Herzlichen Glückwunsch!

 

Steffen Klingner, im April 2017

 

 

 

 

 

 - ENDE -