Veranstaltungen 2014

Veranstaltung 2014 - 4      Niederschrift

Der AK führte das Jahrestreffen mit Ahnenbörse, am Samstag, den 08. November 2014, in der historischen Gaststätte „Casino“, in Altenburgs Altstadt, auf dem Roßplan, nahe Stadtmauer und Nikolaikirchhof durch. An der Veranstaltung nahmen 24 Personen teil.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Gespräch und der persönlichem Austausch. Zu Beginn begrüßte Herr Klingner die Anwesenden und zog ein Resümee der Arbeit des Arbeitskreises 2014. Erfreulich war die erneute Durchführung von 4 genealogischen Veranstaltungen und der Abschluss eines Großprojektes.. Im Mai konnte sich der AK ganzseitig in der Regional-Zeitung „Kurier“ präsentieren und Kontaktmöglichkeiten darlegen. Trotzdem war die Gewinnung neuer Mitglieder oder aktiver Interessenten nicht erfolgreich. In seinem anschließenden Vortrag : „Genealogische Projekte des Arbeitskreises „Altenburger Land“ - Erstellung und Nutzung von Sekundärliteratur als Hilfs, Ausweich- und Ergänzungsmöglichkeit bei der Familienforschung“ stellte Herr Klingner Publikationen und Sekundärquellen der AMF vor und erläuterte die Möglichkeiten des Bezuges. Speziell ging er auf die Veröffentlichungen im Forschungsbereich des AK ein. Auch elektronischer Büchertisch, Stiftung Stoye, Ortsfamilienbücher oder Internet, sowie die Arbeit des AMF-Archives wurden dargelegt.

Danach schloss sich die Vorstellung des AK-Groß-Projektes „Die 12 Altenburger Bezirks-listen 1831 - 1875“ mit der Präsentation und Beispiel-Vorführung an. Nach 1 1/2-jähriger, intensiver Arbeit hatten 10 Personen die Einwohnerbücher der Stadt Altenburg zwischen 1831 und 1875 zu einem Findbuch transkripiert. Als Ergebnis konnte eine Excel-Liste mit 40.034 Datensätzen vorgestellt werden. Diese Datenbank stellt das Bindeglied zwischen den Altenburger Häuserbüchern 1450 - 1865 und den Adressbüchern der Stadt Altenburg, ab 1871, dar und ermöglicht die unkomplizierte Suche nach Einwohnern, Bürgern, Berufen, Wohnungen und Häusern. Ein weiteres Transkriptionsprojekt, von Herrn Holger Gentsch, ergänzte diesen Themenkomplex. Er erfasste im Staatsarchiv Altenburg, aus dem Nachlass Leidner, dessen Aufstellung der Auswanderer aus dem Herzogtum Sachsen-Altenburg im Zeitraum 1842 bis 1900. Die Möglichkeiten der Einbindung in unsere Homepage, also eine allgemeine Veröffentlichung, wird geprüft.

Auch beim gemeinsamen Mittagessen riss der Gesprächs- und Diskussionsfaden nicht ab und der anschließende Austausch in Wort, Schrift und mit PC wurde rege genutzt. Freuen wir uns auf die 2015 geplanten Veranstaltungen, Vorträge und Projekte. Dafür wünsche ich beste Gesundheit und Forschererfolge.

Ihr Steffen Klingner

Anfragen:     Die nächsten Anfragen werden zur Veranstaltung 2015 - 1 veröffentlicht.

   

  Veranstaltung 2014 - 3      Niederschrift

Der AK traf sich zur Vortragsveranstaltung, am Mittwoch, den 24. September 2014, im „Bach-Saal“ des Residenzschlosses zu Altenburg. An der Veranstaltung nahmen 49 Personen teil. Herr Klingner begrüßte die Anwesenden und stellte den Referenten, Herrn Jürgen Martin, Thomas-Müntzer-Siedlung 10, 08451 Mannichswalde, Telefon: 03 66 08 – 9 09 90,. E-Mail: (zZ keine) vor, welcher zum Thema des Abends: „Windmühlen und Müllerfamilien“ sprach.

Herr Martin ist Familienforscher, Ortschronist von Mannichswalde im Altenburger Land, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain mit dem Spezialgebiet Mühlen. In diesen Tätigkeiten vereint er Heimat- und Familienforschung in konkreter Weise bei der Erforschung von Müllerfamilien im Altenburger Land und Westsächsischem Raum. In Blankenhain bei Crimmitschau entstand 1981 aus dem ehemaligen Rittergut mit Schloss das damalige „Agrar- und Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankehain“ und wurde seit dem stetig ausgebaut und erweitert. 2006 wurde dieses neu gestaltet und zeigt, als Partnereinrichtung des „Deutschen Landwirtschaftsmuseum Stuttgart-Hohenheim“ und anderer internationaler Landwirtschaftsmuseen, die Landwirtschaft in der DDR und Ostdeutschlands, vereint auf 11 Hektar mit 80 Ausstellungsgebäuden. Zu den speziellen Ausstellungsgebäuden gehört eine Bockwindmühle, die Kreuzsteinwindmühle. Diese wurde 1740 erbaut und hatte ihren ersten Standort an der Landstraße Ronneburg-Zeitz, nähe Naundorf bei Großenstein (heute Landkreis Greiz). Nach 8 Besitzern in Familienbesitz und 1 Pächter, also über 300 Jahre Mühlbetrieb, wurde der Dienst 1951 eingestellt. 1982 begann der Abbau und die Umsetzung nach Blankenhain und 1989 erfolgte die Eröffnung als Museumsobjekt.Der erste Besitzer, Hans Rohner, stammte aus einer Müllerfamilie bei Lützen. Herr Martin konnte diese Familie bis in die heutige Zeit nachweisen. In seinem Vortrag erläuterte er die grundsätzliche Bau- und Wirkungsweise von Mühlen, danach speziell den Windmühlen. Besondere Informationen über Bau- und Betriebskosten, auch Abgaben und Steuern, das Müllerhandwerk und Lehre, Hohlmaße und Umrechnung, Müller- und Mühlensprache rundeten seinen Vortrag ab.

Für seinen Vortrag wurde Herr Martin mit viel Beifall bedacht.

Steffen Klingner

 

 Veranstaltung 2014 – 2     Niederschrift

Der AK traf sich zur Vortragsveranstaltung, am Mittwoch, den 28. Mai 2014, im Bach-Saal des Residenzschlosses zu Altenburg. An der Veranstaltung nahmen 39 Personen teil.

Herr Klingner begrüßte die Anwesenden und stellte den Referenten, Herrn Frank-Michael Leube, Roßplatz 2 , 04103 Leipzig ,. E-Mail: leube@olanis.de , vor, welcher zum Thema des Abends: „Die Familie Leube“ sprach.

Herr Leube erforscht vorrangig seine Namensträger in Deutschland, aber auch in deutschsprachigen Nachbarländern. Zunächst erläuterte er die Bedeutung seines Namens und führt diesen auf das sorbische Wort „leube“ für „feuchte Niederung“ zurück. Dieses weist auf einen Herkunftsnamen hin, deren Bewohner in der Nähe eines Flusses oder Sees gesiedelt hatten und deren Bezeichnung in Ortschaften wie Leubnitz oder Langenleuba vorkommt. Auch Wortabschleifungen beispielsweise von Liebe oder Löwe sind nicht ausgeschlossen. Die Nutzung von Geogen, der Namensverteilungssoftware, zeigt die relative Namenserteilung (Anzahl je Einwohner), in Deutschland nach Telefonbuchdatenbank. Als Ergebnis sticht bei Namensträgern Leube, der Ost-Thüringer Raum um Saalfeld-Rudolstadt, das Gebiet um Leipzig und das süddeutsche Gebiet um Ulm heraus. Bei der Sichtung von Ahnenlisten stieß er beispielsweise auf die Forschungsdaten von Gustav Adolf Leube aus Ludwisburg, die Kaufmannsfamilie Leube in Gera oder Prof. Dr. Leube, aus Eisenberg und dabei auf berühmte Namensträger. Als besonders interessanter Vertreter sei Dr. Gustav Ernst Leube, aus Ulm (1808 – 1881), genannt. Der Apotheker beschäftigte sich mit Chemie und Mineralogie und konnte ab 1835 die fabrikmäßige Herstellung von Zement erforschen. Mit seinen Brüdern gründete er 1838 die erste Zementfabrik in Deutschland und lieferte diesen 1843 als „Ulmer Zement“ bis Wien und Prag. Nach Expansionen und Übernahmen in Österreich trägt das älteste bestehende Zementwerkunternehmen der Welt in Familienbesitz, bis heute den Namen „Leube Baustoffe GmbH“. Bei der Erforschung dieser Familie lassen sich die Spuren fast geradlinig vom Ulm bis in den thüringischen Raum zurück verfolgen.

Seine Familienforschung, ausgehend von seinem Wohnort Leipzig, führte ihn in den Leipziger Südraum und er fand seinen bisherigen Spitzenahn um 1420 in Sahlis, heute Kohren-Sahlis, im Kohrener Land. Besonders die Zeiträume vor den Kirchenbüchern bergen Unsicherheiten. Seine Forschungsergebnisse präsentiert Herr Leube unter seiner neu eingerichteten Internet-Seite, http://leubefamilien@olanis.de , welche in der nächsten Zeit stetig ergänzt und erweitert werden soll und freut sich auf regen Informationsaustausch.

Mit herzlichem Dank und viel Beifall wurden Herrn Leube für seinen Vortrag bedacht, welcher im Anschluss zu einer regen Austauschrunde genutzt wurde.

Steffen Klingner

 

  Veranstaltung 2014 – 1       Niederschrift

Mittwoch, 26. März 2014, 04600 Altenburg - Residenzschloss „Bach-Saal“

„Zur Geschichte der Immigration und Integration italienischer Einwanderer in Mitteldeutschland im 17. bis 19 Jh. „

Dieser Vortrag war als Angebot gedacht, Forschungsergebnisse aus der Sicht, einer Verbindung von Geschichte, Kultur- und Wirtschaftsentwicklung, sowie Familienforschung auch in anderen Ländern zu betrachten. 44 Interessenten nutzten diese einmalige Gelegenheit und wurden mit einem informativen und kurzweiligen Vortrag belohnt.

Der Referent, Herr Prof. Dr. Seidel aus Weimar, E-Mail: dr.e.j.seidel@t-online.de, begann seine Familienforschung in früher Jugendzeit im Altenburger Land. Er berichtete von ersten Kontakten mit Dr. Nehrlich, seinem ersten Mentor, im Pfarramt Treben, im Alter von 15 Jahren. Mit dem Fahrrad fuhr er in die Pfarrämter, erforschte seine mütterliche Ahnenlinie und traf dabei auf italienische Vorfahren. Dies weckte sein Interesse und er begann mit der Erfassung dieser italienischen Familien, fand gleich-gesinnte Mitstreiter und kann heute auf eine Datenbank von über 1.000 Familien mit über 25.000 Personen verweisen. Sein Forscherschwerpunkt liegt im Gebiet Nord-Italiens (Belluno, Lonbardei auch Graubünden/ Schweiz), speziell um den Comer See und umfasst die Familiennamen Berta, Benzino, Bianchi, Bolongaro, Brentano, Canaris, Casiraghi, Curioni, Comitti, Dallera, Mainoni, Ortelli, Primavesi, Pusinelli, Rebay, Salice-Cetto und Torre.

Vor etwa 2000 Jahren legten die Römer die wichtige Militär- und Handelsstrasse, „Via Regia“ an. Von Mailand über Como verlief diese entlang des Westufers des Comer See, über die Alpen bis nach Augsburg. Später wurde der Strassenname um ein „n“ ergänzt und so tragen die Relikte der alten Strasse heute den Namen „Via Regina“. Da die schroffen, steilen, teilweise bis ans See-Ufer reichenden Berge die Versorgung der Bevölkerung nicht ausreichend zuließ und die wichtige Alpenverbindungsstrasse bestand, nutzten vereinzelte italienische Familien diesen Umstand zum Handeln zwischen Süd- und Nordalpengebiet. Besonders Wein, Gewürze, Olivenöl, Zitrusfrüchte und Seide, aber auch allerlei Tand wurden aus dem Orient, Venezien und Italien über die Alpen nach Deutschland, Holland, Böhmen bis Polen gehandelt. Nach Abverkauf kehrten sie in die Heimat zurück. Oft waren die Händler mehrere Monate oder Jahre unterwegs und zu Hause wurden Abwesenheitslisten geführt. Nach dem 30jährigen Krieg und den Pestjahren blühte der Handel auf. Es wurden Companien mit mehreren, ständig im Rhythmus von 2-5 Jahren wechselnden Gesellschaftern gebildet, die immer streng nach wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet waren. Die Gesellschafter waren fast immer Familienmitglieder oder Verwandte. Alle wirtschaftlichen und privaten Verträge wurden im Handelsland und als Kopie in der Heimat verwahrt. Heute sind diese in den Archiven bis ins 12. Jh nachvollziehbar. Trotz Glaubens-verschiedenheit der katholischen Händler kam es ab dem 17. Jh, auch in protestantischen, deutschen Gebieten zu ehelichen Verbindungen. Die Nachlässe wurden immer an die direkten Nachkommen vererbt. Der Handel warf erstaunliche Gewinne ab. Besonders der, im thüringisch-sächsischen Raum, gehandelte Wein, führte zur Vorliebe für italienische Lebensart und zu Italienreisen von Künstlern und Fürsten. So verewigte Goethe „seine Italiener“, unter anderem den Kaufmann Stefan Andreas und seinen Sohn Heinrich Ortelli, in seinen Werken und übernachtete auf seiner Italienreise bei den Familien seiner Weinhändler am Gardasee. - Ein erster Bruch erfolgte durch die englische Kontinentalsperre während der napoleonischen Zeit, als Waren-Quellen abgeschnitten wurden. Mit der Entwicklung des Transportwesens, speziell der Eisenbahn und Schiffe, konnten Waren billiger und leichter zu den Verbrauchern über die Häfen der Nord- und Ostsee gebracht werden. Als Reaktion wurde der Handel nach Nord- und Südamerika, sowie Australien verlagert oder die Sortimente der Handelswaren angepasst. So konnte beispielsweise die Herstellung von Spielkarten mit italienischen Initialien, die nur noch im Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, bekannt sind, nachgewiesen werden. Die Industrialisierung, der Braunkohleabbau oder die Granit- und Steinbearbeitung in Böhmen zog viele italienische Arbeiter ab etwa 1840 in deutschsprachige Gebiete. Als Spezialisten für Eisenbahnbau, mit ihren Erfahrungen beim Tunnel- und Brückenbau in schwierigem Umfeld, waren sie sehr willkommen. Da diese Einwanderer nicht mehr die Familiengeschichte des Referenten umfasst und die Anzahl und Herkunft die Überschaubarkeit erschwert, bleibt es weiteren Forschern oder Gemeinschaften vorbehalten, diese Projekte aufzugreifen.

Ebenso werden in der Datei der Herren Pusinelli aus Augsburg und Seidel aus Weimar, Künstler, Sänger und Tänzer sowie Handwerker nicht erfasst, welche zwischen dem 16. und 18. Jh. oft nur für kurze Zeit in Deutschland waren und hier selten Familien gründeten und verblieben. Insgesamt ergibt sich ein interessanter Blick auf die Handelsgeschichte und die soziale Struktur des 17. -19.Jh. bei einer Betrachtung dieser italienischen Händler und Einwanderer auch für den mitteldeutschen Raum.

2014-03-26, Steffen Klingner, Leiter AK Altenburger Land