Julius Löbe - Pfarrer, Gelehrter und Heimatforscher

D. Dr. phil. August Julius Löbe (1805 - 1900)

Gelehrter , Pfarrer und Heimatforscher 

 

Julius Löbe war einer der gelehrten Landpfarrer der klassischen Periode des 19. Jahrhunderts. Am 8. Januar 1805 in Altenburg - welches damals Sachsen-Altenburg war – als Sohn des Militärarztes Christian August Löbe geboren. Die schulische Ausbildung begann er in der Garnisonsschule, später dann in der Bürgerschule. Von Michaelis 1817 bis Ostern 1825 besuchte er das Altenburger Friedrich-Gymnasium unter den bekannten Grammatikern August Mattiä und Ludwig Ramshorn. 

Im Jahre 1825  bezog er die Universität in Jena, wo neben Baumgarten besonders die Philologen Göttling und Eichstädt auf ihn wirkten und wandte sich dann 1827 nach Leipzig. In Leipzig war er ein Schüler des begeisternden Gottfried Herman undabsolvierte 1828 sein theologisches Examen. Julius Löbe promovierte 1831 in Jena mit der Abhandlung "de correptione diphthongorum ante consonas"  zum Doctor der Philosophie.

In das Gebiet der Sprachwissenschaften gehören seine o. g. Doktordissertation, Lateinisches Elementarbuch, Leipzig 1845 und vor allem seine Arbeiten auf dem Gebiet des Gotischen. Julius Löbe verband sich mit seinem Schul- u. Jugendfreund aus der Gymnasialzeit, dem großen Sprachforscher Hans Canon von derGabelentz zu der ersten kritischen Gesamtausgabe der Bibelübersetzung Ulfilas*. Zur Vergleichung des berühmten "Codex reiste 

Dr. Löbe 1834 nach der alten Bischofsstadt Uppsala. Die Arbeit dort dauerte etwa 10 Tage. 10 Jahre vergingen dann bis zur druckreifen Fertigstellung des dreiteiligen Gesamtwerkes, welches unter dem Titel „Ulfilas. Verteris et Novi fragmenta quae supersunt…… ;  Lips. et Altenb. 1836 – 46 (abgedruckt bei MSL 18, Paris 1848) erschien.

Mit dem in voller Geistesgemeinschaft bearbeitetem Werk, hat es den beiden Verfassern in der germanischen Sprachwissenschaft einen geachteten Rang eingebracht. Im Oktober 1839 wurde Löbe Substitut des Pfarrers Seidel in Rasephas bei Altenburg, der seit 1794 die Stelle innehatte. Nach dessen Tode im Jahre 1846 erhielter die volle Stelle, und zog 1847 in das neuerbaute Pfarrhaus neben der Kirche in Rasephas. Vordem verwaltete er das Pfarramt von Altenburg aus. Das Pfarramt begleitete er bis ins hohe Alter von 94 Jahren.

 

Anlässlich seines 40 jährigen Dienstjubiläum zu Rasephas 1879 bekam er vom Herzog das Prädikat eines „Kirchenrathes“ zugesprochen. Zwei Jahre später zur Feier des Goldenen Doktorjubiläum erhielt er von der Universität Jena das Ehrenprädikat als Doktor der Theologie und zum Golden Amtsjubiläum im Jahre 1889 den Titel eines „Geheimen Kirchenrathes“ vom Herzog verliehen. Im Oktober 1899 wird er vom Sächsisch Herzoglichen Ministerium emeritiert und unter Belassung der bisherigen Wohnung im Pfarrhause zu Rasephas in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. 

 

Am 27. März 1900 verstarb D. Dr. August Julius Löbe nach kurzer Krankheit im hohen Alter von 96 Jahren. Sein Leichnam  wurde aufdem Friedhof zu Rasephas unter großer Anteilnahmen seiner Familie, von Freunden und der Kirchgemeinde Rasephas-Kauerdorf beigesetzt. Die Grabstätte wurde anlässlich seines 100. Todestages wieder hergerichtet und wird jetzt von der  Friedhofsgärtnerei der Stadt Altenburg gepflegt.

 

Julius Löbe hat sich in seinem langen Leben für die Erforschung seiner engeren Heimat engagiert. Im September 1838 war er maßgeblich an der Gründung der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes beteiligt. Alle Bände der Mitteilungen, die von der Gesellschaft zu jener Zeitherausgegeben wurden, legen Zeugnis ab von der Bedeutung seiner umfangreichen Arbeiten auf dem Gebiete der heimatlichen Geschichte.Das bedeutendste Werk zur Heimatgeschichte ist „Die Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogthums Sachsen-Altenburg“. Dieses Werk schuf er gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Canon Ernst Löbe, welcher Superintendent in Roda (jetzt Stadtroda) war. Es erschien in der Zeit von 1886 bis 1891 in drei Bänden und beschreibt die Ephorien Altenburg, Schmölln und Ronneburg sowie den Westkreis mit den Ephorien Eisenberg, Kahla und Roda. Es gibt wenige Länder (des damaligen Deutschen Reiches) die sich einer ähnlichen, gleichmäßig erarbeiteten Kirchen-, Schul- und Ortsgeschichte rühmen durften. So zitiert in der Lebensbeschreibung zu August Julius Löbe kurz nach seinem Tode.

Von den Heimat- und Familienforschern des Altenburger Landes wird Löbe - neben Kuno Apel – als oft zitierte Literaturquelle angegeben.

 

August Julius Löbe war außerdem Mitglied des Familientheatervereins, Studentencorps und anderer Heimatvereine. Er war seit  1836 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Berlin. Die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung der Deutschen Sprache und Alterthümer in Leipzig ernannte ihn 1838zum „Corresspondierenten Mitglied“ und zu seinem 90.Geburtstag zum Ehrenmitglied.

Heinz Trebus

 

*Ulfilas lt. Meiers Lexikon:

Wulfilia [got., <<Wölfchen>>], griech. Ulfilas, Übersetzer der Bibel, geb. im Gebiet nördlich des unteren Donaulaufes, gest. 383 Konstantinopel, Sohn eines Goten und einer kappadockischen Kriegsgefangenen. W., der 341 Missionsbischof der Westgoten geworden war, begann um 369 die Bibel ins gotische zu übersetzen (mit Buchstaben des lateinischen Alphabets); diese Übersetzung von der Teile aus dem neuen Testament im sog. Codex argenteus erhalten sind, stellt das älteste überlieferte

Sprachdenkmal einer germanischen Sprache mit zusammenhängenden Text dar und ist für die Kenntnis der ausgestorbenen  gotischen Sprache für die Rekonstruktion des Urgermanischen von sehr großem Wert. Der Codex argenteus wird an der Universität der alten Bischofsstadt Uppsala in Schweden aufbewahrt.