Herta Riehm - Heimatkundliche Fleißarbeiterin im Hintergrund

Hertha Riehm (1910 - 2005)

Heimatkundliche Fleißarbeiterin im Hintergrund

 

Herta Riehm zu ihrem 95 Geburtstag

Wir erhielten die traurige Nachricht, dass im November 2005 nach einem langen erfüllten Leben die Heimatforscherin Herta Riehm  verstorben ist.

Unter dem Titel: „ Heimatkundliche Fleißarbeiterin im Hintergrund“ erschien vor 5 ½ Jahren anlässlich des 90. Geburtstages von Frau Herta Riehm im Altenburger Amtsblatt eine Würdigung ihrer volkskundlichen Arbeit für ihre Heimatstadt Altenburg. Die Wahl des Titels unterstrich das Amtsblatt mit folgenden Worten: „ Frau Riehm ist eine Fleißarbeiterin, die bei all ihrem Tun immer ausgesprochen bescheiden bleibt; nur ungern steht sie selbst im Mittelpunkt.“

Herta Riehm wurde am  22. 07. 1910 als drittes Kind des Ölhändlers Max Steinert  (1871 – 1960) und seiner Frau Marie, geb. Bescherer (1878 – 1963) in Altenburg geboren. Von 1917 bis 1927 besuchte Herta Riehm das Carolinum in Altenburg.

Anschließend absolvierte sie eine Banklehre als kaufmännische Angestellte 1944 wurde ihr Sohn Günther Steinert geboren, welcher heute als Rechtsanwalt in Erfurt lebt. Nach dem Krieg übernahm sie das elterliche Geschäft, einem Handel mit chemischen Ölen und Fetten. Die Ware, Wagenschmiere, Staucherfett und die verschiedensten Schmierstoffe, mussten mit dem Handwagen über Land gebracht werden. Zu ihrem Einzugsgebiet gehörten u. a. Bocka, Pöppchen  und Eschefeld. Anfang der 50er Jahre bekam Herta Riehm eine Anstellung bei der MEHAG  in Altenburg als kaufmännische Angestellte, wo sie bis zu ihrer Berentung tätig war. Der Vater Max Steinert, welcher sich selbst intensiv mit der Geschichte von Altenburg befasst hat, weckte bei seiner Tochter Herta bereits in frühester Kindheit das Interesse für Heimat- und Familiengeschichte, für Brauchtum und die Altenburger Mundart. Im Rahmen ihrer heimatkundlichen Arbeiten lernte sie den verwitweten Dipl. Gewerbelehrer Albrecht Riehm kennen, welcher vielseitig künstlerisch engagiert war. Beide heirateten 1962 und bezogen eine gemeinsame Wohnung in Altenburg, Beethovenstr. 9. Herta Riehm hat übrigens ihr gesamtes Leben auf ihrem elterlichen  Grundstück verbracht. Das Ehepaar beschäftigte sich intensiv mit den verschiedensten Bereichen der Volkskunde mit Bezug auf das Altenburger Land und hat sich, basierend auf den gemeinsamen Interessen, einen großen Bekanntenkreis aufgebaut. Hierzu zählten u. a. Wilhelm Ruhland, Dr. Pertl, Walter Grünert, Frau Ernst, Paul Leidner, Dr. Joachim Kretschmar, Dr. Horst Nerlich, Kuno Apel, Walter Fuchs, Dr. Franz Tierfelder, Alfred Porzig, Fritz Naumann, Ernst Daube, Herr Bernhardi und viele andere,  mit denen man in ständigen Kontakt gestanden hat.

Wichtige Institutionen waren die Geschichts- u. Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes und die Gesellschaft für Kirchengeschichte Thüringen, deren Mitglied sie bis zu ihrem Lebensende war. Durch Wilhelm Ruhland lernte Herta Riehm ihre Arbeiten in wissenschaftliche Bahnen zu lenken. Sie verbrachten Tage und Wochen gemeinsam in den Altenburger Archiven und studierten Urkunden zur Heimatgeschichte. Nach dem Tode von Albrecht Riehm ( † 26. 1. 1981) arbeitete Herta Riehm gemeinsam mit Wilhelm Ruhland an heimatkundlichen Objekten. Das gemeinsame Ziel bestand darin, ein Häuserbuch für die Stadt Altenburg zu erstellen, was ein umfangreiches Quellenstudium erforderte. Ferner hat Ruhland die genaue Besiedlung sämtlicher Dörfer des früheren Amtsbereiches Altenburg seit ihrer Gründung erforscht. Unter dem Begriff „Ortskartei Ruhland“ liegen dazu Karteikarten über 220 Orte bei der „Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg“ vor.

Nach dem Tode von Wilhelm Ruhland (1899-1988) bewahrte Herta Riehm nicht nur seinen Nachlass, sondern setzte seine Forschungen fort. Dabei führte sie vor allem ihre Forschungen  zu den Grundstücken der Altenburger Vorstädte (Band 2 des Häuserbuches) mit erfolg weiter. Nach der Wende unterstützte sie die Transkription der genannten Ortskartei, um diese einen breiten Kreis von Familien- u. Heimatforschern zu gängig zu machen. Durch diese Arbeit entstand eine enge und umfassende Zusammenarbeit mit dem AMF-Arbeitskreis der Altenburger Familienforscher.

Dabei wurde auch das Manuskript des zweibändigen Altenburger Häuserbuches für einen Druck bei der Stiftung STOYE aufbereitet werden. Im Oktober vergangenen Jahres ging für sie noch ein ersehnter Wunsch in Erfüllung. Es konnten ihr die beiden Bände des "Altenburger Häuserbuches"  gedruckt übergeben werden.

Am Nachmittag des 19. 11. 2005 wurde sie wegen einer Kreislaufschwäche in das Altenburger Krankenhaus verlegt, wo sie 21 Uhr dann ruhig eingeschlafen ist.

Alle, die Frau Riehm kannten, haben sie in ihrer liebenswürdigen, stets hilfsbereiten Wesensart hoch schätzen gelernt und werden ihr ein dankbares, ehrendes Andenken bewahren.