Dr. Joachim Emig - Direktor des Thüringischen Staatsarchiv Altenburg

Nachruf

Dr. phil. Joachim Emig

Direktor des Thüringischen Staatsarchiv Altenburg

 * 18. März 1958 in Darmstadt  

 09.Juni 2012 in Jena  

Nach langer und schwerer Krankheit mit allen Höhen und Tiefen, die damit verbunden sind, verstarb am 09. Juni 2012 Dr. Emig in Jena. Über viele Monate hinweg war er zuversichtlich und voller Vertrauen auf die Leistungen der modernen Medizin, und doch konnte er durch eine unerwartete Wendung den Kampf nicht gewinnen. Wir verlieren mit ihm einen engagierten Wissenschaftler und Förderer der Arbeit im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg. Jederzeit war er ansprechbar, wenn es darum ging, das umfangreiche Archivmaterial auch für diejenigen zu erschließen, die sich nach beendetem Berufsleben in ihrem Ruhestand der Heimatforschung der Stadt Altenburg und des gesamten Osterlandes sowie ihrer eigenen Familienforschung widmeten. Durch seine umsichtige Arbeit hat er das Staatsarchiv Altenburg weiter profiliert sowie alle Möglichkeiten gesucht und genutzt, um Altenburger Kulturgut, das in anderen Archiven lagerte, an seinen Ursprungsort zurückzuführen.

Joachim Emig wurde am 18. März 1958 in Darmstadt geboren. Nach dem Gymnasium studierte er Alte, Mittelalterliche und Neue Geschichte an den Universitäten Mainz und Dijon/Frankreich. 1984/1985 weilte er zu einem Forschungsaufenthalt am Deutschen Historischen Institut in Paris. 1991 wurde er mit einer Arbeit über Fürst Friedrich III. von Salm- Kyrburg an der Universität Mainz zum Dr. phil. promoviert.

Seine Wurzeln im Bundesland Hessen waren ihm kein Hindernis, um sich das Thüringer Osterland als neue Heimat zu erschließen. Seine Publikationen, Herausgeberschaften und Vereinsaktivitäten, u.a. in der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes (GAGO), sind eindeutige Zeichen dafür, dass er sich mit seiner zweiten Heimat eng verbunden fühlte und hier sein neues Aufgabengebiet sah. Stellvertretend für seine wissenschaftlichen und kulturellen Aktivitäten soll an dieser Stelle die Vorbereitung und Organisation der wissenschaftlichen Tagung zum Altenburger Prinzenraub im Juni 2005 genannt werden, deren Beiträge in dem Band „Der Altenburger Prinzenraub 1455- Strukturen und Mentalitäten eines spätmittelalterlichen Konflikts“ publiziert worden sind. Nicht unerwähnt sollen in diesem Zusammenhang auch seine Publikationen zum Fürstentum Altenburg, den Herzögen Ernst I. und Ernst II. von Sachsen-Altenburg sowie zur Landesvertretung des Freistaates Sachsen Altenburg 1919 - 1923 bleiben. Unser Arbeitskreis erinnert sich noch gern an seine Unterstützung und seinen Vortrag zum 10. Jahrestag unseres AK Altenburger Land. In besonderer und ganz persönlicher Erinnerung ist mir sein Engagement bei der Aufarbeitung der Korrespondenz zwischen der Familie Mereau und Johann Friedrich Pierer, Herausgeber eines 34-bändigen Lexikons, langjähriger Stuhlmeister der Loge "Archimedes zu den drei Reißbretern" und Stadtsyndicus der Stadt Altenburg. Dr. phil. Joachim Emig verfügte aber nicht nur über umfangreich Kenntnisse auf seinem Fachgebiet. Er hat jederzeit seine helfende Hand gereicht. Auf Grund seines Studiums in Dijon und Paris verfügte er über umfassende Kenntnisse im französischen Sprachraum und konnte damit manchem Archivnutzer bei der Erschließung französischer Literarturquellen helfen.

Dr. phil. Emig hat uns ein wissenschaftliches Werk hinterlassen, das manche Lücke in der Heimatforschung zu Altenburg und dem Osterland schließt, aber auch neue Fragen aufwirft. Ihm war es leider nicht vergönnt, weitere neue Projekte in Angriff zu nehmen.

Dr. Siegmar Theil

(unter Einbeziehung des Manuskripts von Dieter Marek, Rudolstadt)