Dr. Horst Nehrlich - Ein Altenburger Arzt und Genealoge

Dr. Horst Nerlich (1913 -1990)

Ein Altenburger Arzt und Genealoge

 

Wer im Altenburger Land Familienforschung betreibt, wird früher oder später auf  seine hinterlassenen Forschungsergebnisse stoßen, welche sich heute im Thüringischen Staatsarchiv in Altenburg befinden. In genealogischen Publikationen wird oft darauf verwiesen. Aus diesem Grunde möchten wir ihn heute vorstellen: Dr. Horst Nerlich wurde am 9.12.1913 in Dresden als Sohn des Exportkaufmannes Franz Herrmann Nerlich geboren. Seine Mutter Bertha Helene Elisa geb. Wolf, eine ausgebildete Lehrerin, war Hausfrau. Am 15.3.1914 erfolgte die Haustaufe auf dem Namen Horst Theodor Nerlich. Hier in seinem Geburtshaus in der Kainitzer Straße 27 in der historischen Großstadt Dresden, verbrachte Horst Nerlich an der Seite seiner drei Jahre jüngeren Schwester Erika Helene seine Kindheit. Er besuchte  das Kreuzgymnasium, an dem er 1933 sein Abitur absolvierte. Im Herbst 1934 begann er sein Medizinstudium - eine Studienrichtung, zu der sich Abiturient Horst Nerlich berufen fühlte. Er studierte zunächst in Leipzig, Rostock und Tübingen, bis er schließlich 1939 sein Staatsexamen in Düsseldorf erlangte. Seine eigentliche Berufsbezeichnung lautete Facharzt für Sozialhygiene.Er wurde mit Ausbruch des 2. Weltkrieges zum Kriegsdienst nach Frankreich einberufen. Danach folgten Einsätze in Polen und anschließend wurde er an die Ostfront nach Russland befohlen. Seine Aufgabe während des Krieges bestand darin, Krankentransporte abzuleiten, bis die Verwundeten in die Lazarette verlegt werden konnten. Nach Rückzug der Deutschen von der Krim  begleitete Dr. Horst Nerlich - inzwischen Stabsarzt -  die Verwundeten nach Rumänien, über die Tschechei bis zu seinem Heimatort Dresden. Im Lazarett "Schweizer Viertel" erlebte er an der Seite seiner Patienten den furchtbaren Luftangriff vom 13. Februar 1945, bei dem ebenfalls sein Geburtshaus zerstört wurde. Seine Eltern sowie seine Schwester überlebten diese furchtbare Katastrophe. Nach Kriegsende erhielt Nerlich im Krankenhaus von Ebersdorf bei Saalburg  eine Stellung als Assistenzarzt. Hier schloss er seine erster Ehe aus der seine Tochter Maria hervorging. Nach der Scheidung 1948 kam er nach Altenburg.

Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse arbeitete Nerlich von nun an als Beratungsarzt. Später wurde er Kreisgutachter für das Altenburger Land und war zudem bis 1979 als Gutachter in der Ärztekommission tätig. In den 70er Jahren (ca. seit 1972) setzte er sich in Altenburg für die Rehabilitation behinderter Jugendlicher ein. Weiterhin war Nerlich vom 1. Dezember 1978 bis zu seinem Austritt aus dem Berufsleben am 1. April 1980 Altersbeamter. Am "Gutachterbuch der DDR" erarbeitete er als Mitautor das Kapitel "Pflegegeld-Gutachten".

 

Dr. Horst Nerlich krönte seine berufliche Entwicklung als Medizinalrat und wurde für seine Verdienste mit dem Vaterländischen Verdienstorden in geringster Stufe ausgezeichnet, den er jedoch während der Wende zurückgab. Während seiner beruflichen Tätigkeit in der Altenburger Poliklinik lernte er die Krankenschwester Lotte Fischer kennen. Ihr  Vater war der Gutsbesitzer Paul Georg Fischer in Saara. Beide heirateten 1952 in Mockern und im darauf folgenden Jahr kam Tochter Ursula Christina zur Welt.

Die Genealogie seiner Frau sorgte für erste Schritte auf dem Pfad einer langwierigen Familienforschung, die jedoch erst Mitte der 60er Jahre einsetzen sollte. Als Mitglied der Gesellschaft der Kirchengeschichte war er zu dieser Zeit einmal gemeinsam mit dem Lehrer Wilhelm Ruhland, der Heimatforscherin Hertha Riehm und dem Kotteritzer Familienforscher Gerhard Porzig nach Blankenburg unterwegs. Wohl bei diesem Ausflug wird Nerlich seine wissbegierigen Gespräche, besonders mit Gerhard Porzig, seine genealogischen Kenntnisse vertieft haben.Nerlich konnte hierbei feststellen, dass seine Frau und Porzig gemeinsame Vorfahren besitzen. Seitdem zeigte er sich an deren Erforschung sehr interessiert. Seine Recherchen in den Kirchenbüchern verband er mit verschiedenen Hausbesuchen auf dem Altenburger Land. Für seine Notizen benutzte er vorwiegend die Papierrückseiten, die in seinem beruflichen Wirkungsbereich anfielen. Bei seinen immensen Schreibarbeiten wurde er zu Hause tatkräftig von seiner Frau unterstützt. Es sollte nicht lange dauern, bis er feststellte, dass besonders der Familienname Köhler oftmals die Vorfahren seiner Frau kreuzte. Darauf entschloss er sich, die Verbreitung der Köhlers im Altenburger Raum  primär zu untersuchen. Diese Forschungen setzte Dr. Horst Nerlich bis zu seinem beruflichen Ruhestand fort. Nach Auswertung sämtlicher Kirchenregister zu den Köhlers im Altenburger Land setzte er seine weiteren Recherchen in den Altenburger Archiven fort. Bei seinen Recherchen suchte er auch die Gräber auf den kirchlichen Friedhöfen auf und interessierte sich besonders für die "Gottesacker-Kirche" in Altenburg. Seine Verbundenheit mit der Kirche bestätigte sich zudem beim Umbau der Altenburger Bartholomäi-Kirche, den er in Fotos festhielt, die er später der Superintendantur übergab.

Nerlich beendete seine Köhler-Forschung mit dem Zeitraum um 1930. Sein Forscherziel, sämtliche Köhlers des Altenburger Landes zusammengestellt und ausgewertet zu haben betrachtete er somit als erreicht und widmete sich fortan nur noch den Recherchen seiner eigenen Genealogie.

 

Am 8.August 1990 starb Dr. Horst Nerlich, noch vor der Deutschen Einheit, in Altenburg und wurde hier am 14. August des Jahres begraben.

 

Den Zugang zu seinen umfangreichen Handschriften erlangte die Öffentlichkeit erst sechs Jahre später, als seine Frau Lotte Nerlich am 10. Juli 1996 dem Thüringer Staatsarchiv Altenburg sämtliche Unterlagen übergab, die gleichzeitig zur Benutzung freigegeben wurden. Neben sechs Ordnern zum Familiennamen Köhler wird dieser "Nerlich-Bestand" mit weiteren sieben Ordnern Vorfahren Fischer sowie gleichviel Ordner mit weiteren Familiennamen ergänzt. In 17 Kartons finden sich zudem eine alphabetische Familienübersicht, ergänzende Notizen (Miszell über Sachbegriffe aus dem Altenburger Land sowie der allgemeinen Zeitgeschichte) und eine Sammlung zu weiteren Familiennamen.

Mit seinem Nachlass setzte Nerlich nicht nur wesentliche Grundlagen, die jüngeren Köhler-Generationen weiterhin zu erforschen, die sich ja nunmehr weiter verzweigt haben. Seine Arbeitsergebnisse verhelfen besonders den Familienforschern im Altenburger Raum sowie direkten Nachkommen zu wertvollen Erkenntnissen und Verknüpfungen in der eigenen Familienforschung. Nerlich ließ sich während seiner umfangreichen Familienforschung stets von einem Zitat des von den Nazis hingerichteten Pfarrer Dietrich Bonhoeffer leiten: 

"Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben für das Leben die rechte Haltung."

Andreas Günther

 Foto: Privatarchiv Lotte Nerlich