Carl Friedrich Waitz - Freimaurer, Botaniker und Pomologe

 

Carl Friedrich Waitz (1774 - 1848)

Freimaurer, Botaniker und Pomologe

 

Porträt von Carl Friedrich Waitz

Nach dem Ölgemälde im alten Arbeitssaal der Loge „Archimedes zu den drei Reißbretern“

 

Kürzlich sprach Dr. Hartmut Baade in der Altenburger Freimaurerloge in Verbindung mit den Familienforschern überCarl Friedrich Waitz, speziell zur Genealogie der Familie und den Lebensansichten des Botanikers. Unter dem Titel „Carl Friedrich Waitz - ein wenig bekannter, aber doch bedeutender Altenburger" hatten die Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes und das Schlossmuseum bereits vor längerem eingeladen. Hartmut Baade bereitete Gästen damals, wie auch jetzt in der Loge, einen interessanten und spannenden

Abend, denn es ging um die Frage, wer jener, den meisten Altenburgern unbekannte Botaniker war. Bislang gibt es über Waitz noch keine Monographie, er fehlt in der Darstellung des Geisteslebens von Altenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts, er fehlt in der jüngsten Publikation zu berühmten und bedeutenden Thüringern, obwohl er doch schon 1864 in Pierers Lexikon gewürdigt wird und auch in den wichtigsten Pflanzenbestimmungsbüchern steht. Das Leben und Schaffen des Freimaurers, Botanikers und Pomologen Carl Friedrich Waitz zu erforschen,

dessen überlieferte Lebensmaxime „Fürchte Gott, tue recht, scheue niemand" lautete, war eine echte Herausforderung für Baade, der er sich gern gestellt hat.

Das Ergebnis der Forschungsarbeit konnte sich, wie der Vortrag eindrucksvoll bewies, sehen lassen. An dieser Stelle können natürlich nicht alle Er­kenntnisse wiedergegeben werden: Vor geraumer Zeit erwarb das Schloss- und Spielkartenmuseum zwei Werke des Malers Ludwig Döll, eines Verwandten der Ehefrau von Carl Friedrich Waitz, und diese zeigen Waitz und seine Frau Friederike entweder noch vor oder kurz nach ihrer Hochzeit. Während das Bildnis der Frau relativ schmucklos gestaltet wurde, hält Waitz im Gegensatz dazu Rosen im Arm und in den 

Händen. Das kann in zwei Richtungen gedeutet werden: Erstens als bewusster Hinweis auf sein botanisches Interesse, insbesondere an Rosen, und zweitens als ein Symbol der Freimaurer. Vielleicht, so der Referent, waren die Gemälde ein Hochzeitsgeschenk Dölls an seine Cousine und deren Mann.

Das zweite zur Illustration des Vortrages dargebotene Gemälde mit einem Altersbildnis von Waitz stammt aus dem Besitz der Altenburger Freimaurerloge „Archimedes zu den drei Reißbretern“, welcher Waitz 1792 beitrat, und zeigt deutlich die Spuren aus jener Zeit, als fortschrittliche Vereinigungen verboten und alles „gleichgeschaltet" worden war. Ein Vergleich mit einem Foto des Gemäldes in der Chronik der Freimaurerloge beweist, dass auf dem Gemälde alle Attribute der Freimaurer - Schärpe, Zirkel, Winkel - abgekratzt und das Bild zudem beschnitten wurde, denn die Hände fehlen.

Begünstigt wurden die Forschungen des Referenten dadurch, dass sich seit einiger Zeit das Familienarchiv Waitz Wagner im hiesigen Staatsarchiv befindet Doch folgen wir nun der erarbeiteten Biographie in kürzester Form: Carl Friedrich Waitz wurde am 18. Februar 1774 in Gotha geboren, 1783 kaufte der Vater den Altenburger Frauenfels und die Familie zog nach Altenburg um. Hier war Waitz' Vater Herzoglicher Obersteuereinnehmer und Kammerpräsident, hatte, also eine für die berufliche Karriere des Sohnes wichtige Stellung im damaligen Herzogtum

Sachsen-Gotha-Altenburg inne. 1791 bis 1795 studierte Waitz in Jena Jura, Kameralistik (das ist die Lehre vom öffentlichen Kassen- und Rechnungswesen) und Naturwissenschaften (Mineralogie und Botanik). 1798 hatte er seine erste botanische Veröffentlichung im „Gnädigst Privilegierten Altenburgischen Wochenblatt" Ab1799 war er Archivar, ab 1801 Kammerrat. 1805 erschien die „Beschreibung der Gattung 

und Arten der Heiden" als sein botanisches Hauptwerk. 1813 wird Waitz Herzoglicher Rat. 1814 heiratete er die oben erwähnte Friederike Trautwein. 1823 wurde er Landkammerrat und 1831 Kammerrat mit Sitz und Stimme. 1833 starb seine Frau.1835 heiratete er ein zweites Mal. 1845 geht er als Geheimer Kammerrat in den Ruhestand und  am 21. August 1848 starb Waitz hier in Altenburg. Eine seiner Töchter erbte den Frauenfels, um ihn wenig später wieder zu verkaufen. Damit war auch das Fortbestehen des von Waitz angelegten Gartens unterhalb des Frauenfels mit Rosen- und Obstbaumzüchtungen in Frage gestellt und es ist davon dann auch nur die Erinnerung geblieben.

 

Das ursprünglich aus dem damals im Hessischen gelegenen Schmalkalden stammende Geschlecht der „Waitze" ist deutschlandweit bekannt. Sie spielten zumeist eine Rolle in der Politik und dem geistig-kulturellen Leben. In Letzterem ist auch unser Waitz einzuordnen: Als jugendliche „Logenschwärmerei" wurde der Beitritt zur Altenburger Freimaurerloge noch zur Zeit des Studiums angesehen und nur ein Jahr war Waitz ohne Funktion oder Amt gegen gut 50 Jahre, in denen er unter anderem korrespondierender Sekretär, Redner, Zeremonienmeister, zweiter Vorsteher, Meister vom Stuhl und Ehrenaltmeister war. 

 

Auch in anderen Altenburger Vereinen blieb Waitz nicht nur einfaches Mitglied, sondern hatte Ämter und Funktionen inne, so war er zum Beispiel Vorsitzender der Pomologischen Gesellschaft, Geschäftsführer der Botanischen Gesellschaft und Mitglied des Direktoriums der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes, letzteres über einen Zeitraum von 26 Jahren. In den von 1822 bis 1846 stattgefundenen Jahrestagungen der „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte" nahm Waitz als Repräsentant der Altenburger Naturforscher 

22 mal teil, sprach Grußworte, Gedichte, hielt Vorträge oder war selbst mit einem Amt versehen, unter anderem als Präsident. Die vom Referenten aufgelisteten Ehren- und Mitgliedschaften von Carl Friedrich Waitz in in- und ausländischen Vereinigungen und Vereinen waren auf 17 Städte in Thüringen, Sachsen, Schlesien, Bayern, Nord und Nordwestdeutschland sowie Berlin verteilt. Darunter befanden sich vier Freimaurerlogen, zwei künstlerische Vereine, 16 naturwissenschaftliche Gesellschaften und acht gärtnerisch-ökonomische Gesellschaften.

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Andreas Klöppel

Original  veröffentlicht  auf der Heimatseite der Osterländer Volkszeitung vom 30.Mai.2006